Pharmafirmen haben nicht den besten Ruf in unserer Gesellschaft. Sie gelten als raffgierig und ihre Absichten scheinen schleierhaft. Forschungen sind teuer und deshalb sind es Medikamente auch, oder? Jein! Zwar ist die Forschung auf dem Gebiet der Arzneimittel kostspielig, mehr Geld geben Pharmafirmen aber tatsächlich für Werbung aus.

Medikamentenwerbung und zwar überall!

Ein Arztbesuch macht es besonders deutlich. In den dort ausgelegten Zeitschriften prangern große Anzeigen der Medikamentenhersteller. Am Empfang kann man nicht selten Pharmareferenten an ihrem üppig gefüllten Probenkoffer erkennen. Und auch beim abendlichen Fernsehritual wird man von Werbespots verfolgt, die einen auf das neueste und verbesserte Kopfschmerzpräparat hinweisen. Das muss doch alles Unmengen von Geld kosten, oder?

Untersuchungen bringen es ans Licht

Forscher haben sich der Frage gewidmet, wie viel amerikanische Pharmakonzerne für Werbung ausgeben. Das Ergebnis: die Ausgaben für Werbung lagen fast doppelt so hoch wie für Forschung und Entwicklung. Darauf wiesen Marc-André Gagnon und Joel Lexchin von der York University im Online-Fachblatt „PLoS Medicine“ hin. Demnach brachten amerikanische Arzneifirmen im Jahr 2004 insgesamt 57,5 Milliarden Dollar für Werbemaßnahmen auf. Im Vergleich: Für die Bereiche Forschung und Entwicklung waren es lediglich 31,5 Milliarden Dollar. Im Namen der Werbung wurden kostenlose Produktproben verteilt, Anzeigen geschaltet, Briefe und E-Mails verschickt sowie Ärzte und Seminare besucht, um das neue Medikament bekannt zu machen. Die Autoren Gagnon und Lexchin stützten ihre Aussagen auf die Ergebnisse von zwei Marktforschungsinstituten sowie auf Statistiken der National Science Foundation für das Jahr 2004.

 

 Olle Kamellen! Wie sieht’s heute aus?

Wer jetzt denkt, es hätte sich in den letzten Jahren etwas Positives getan, irrt. Eine Studie des Instituts IHSP aus dem Jahr 2016 hat herausgefunden, dass von hundert der größten Pharmakonzerne nur elf Firmen mehr Geld für die Forschung ausgeben. 58 Firmen stecken dreimal so viel Geld in das Marketing und 27 von hundert Firmen investieren sogar zehnmal so viel Knete in die Werbung. Auch der bekannte Medikamentenhersteller Novartis bringt deutlich mehr Geld für das Marketing auf, als für die Forschung. Eine Ausnahme bildet die Pharmafirma Roche. Der Konzern gibt, nach Ergebnis der Untersuchung, etwas mehr Geld für die Forschung aus. Aber in Deutschland sieht es nicht anders aus. Auch hierzulande werden schwindelerregende Summen für die Werbung ausgegeben. Das Marktforschungsinstitut Nielsen machte deutlich, dass die deutsche Pharmaindustrie bereits seit Jahren zu den Branchen mit den höchsten Werbeausgaben zählt. Im Jahr 2014 brachte sie dafür rund 949 Millionen Euro auf und befand sich damit auf Platz sieben. 2015 rückte sie mit mehr als einer Milliarde Euro für Werbung auf Platz fünf -der Top 20 Branchen mit den höchsten Werbeausgaben- vor.

Und wofür das Ganze?

Die Antwort ist einfach: mehr Profit. Ein Pharmaunternehmen ist zweifellos mit der Gesundheit der Bevölkerung verbunden. Deshalb hinterfragen wir die Absichten der Pharmaunternehmen auch sehr kritisch. Ethisch scheint es verwerflich, dass eine Firma mit der Erkrankung von Menschen Geld verdient. Und das nicht zu knapp, denn Pharmafirmen gehören zu den profitabelsten Unternehmungen überhaupt.

 

Laut des Marktforschers GlobalData kommt der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer auf eine Marge von 43 Prozent. Verkauft Pfizer also ein Medikament für insgesamt 100 Euro, bleiben nach Abzug aller Kosten 43 Euro als Gewinn für das Pharmaunternehmen.

 

 
Quellen:

1. http://journals.plos.org/plosmedicine/

2. https://www.mcgill.ca/ihsp/

3. https://www.globaldata.com/

4. https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2016/05/12/ausgaben-fur-arneimittelwerbung-steigen

5. https://www.srf.ch/news/wirtschaft/tricks-der-pharmaindustrie-pharmakonzerne-investieren-mehr-in-marketing-als-in-Forschung


Autorin: Jennifer Ann Steinort
"Die Wissenschaft schafft Wissen" oder so ähnlich. Und wir würzen nochmal mit einer ordentlichen Prise Humor nach.

 

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