Hmm lecker, meinen die meisten. Und wer Zimt geschmacklich nichts abverlangen kann, der kann seine Schweißfüße damit behandeln. Auch Bakterien soll das traditionelle Gewürz vertreiben. Aber damit nicht genug.

400 Jahre auf dem Buckel

Zimt gehört zu den ältesten bekannten Gewürzen und wird seit über 400 Jahren in China als Arzneipflanze genutzt. Die Ägypter haben es bei der Mumifizierung eingesetzt und das antike Griechenland verwendete Zimt in seinen Räuchermischungen. Im Mittelalter wurden Fürsten und Päpste mit dem braunen Pulver beschenkt. Kein Wunder, denn durch die langen Handelswege war es für den gemeinen Mob nicht erschwinglich. Im 20. Jahrhundert wurden dann mithilfe von pharmakognostischen Untersuchungen dem Zimt attestiert:

– du wirkst antibakteriell,
– du kannst Krämpfe lösen,
– du hemmst Entzündungen,
– du besitzt antioxidative Effekte,
– du kannst Pilze vertreiben.

Zimt kann sich auf seine Wirkung also ordentlich was einbilden. Aber es wäre nicht eines der beliebtesten Gewürze, wenn es nicht noch einen oben draufsetzen würde.

Zuckerkrank? Wie wär‘s mit einer Prise Zimt?

Klingt komisch, ist aber so: Zimt kann Diabetes-Erkrankten helfen. Erstmals wurde vor ca. 15 Jahren die unglaubliche antidiabetische Wirkung wissenschaftlich beschrieben. Angefixt durch die wissenschaftliche Neugierde, alles und jeden zu untersuchen, führten die Forscher In-vitro- und In-vivo-Untersuchungen durch. Bisher konnte das Geheimnis um den Zimt nicht vollständig geklärt werden. Die Daten aus den Untersuchungen und Tierstudien weisen jedoch darauf hin, dass Polyphenole unter anderen auf Postrezeptorebene in die Prozesse der Signaltransaktion eingreifen. Darüber hinaus sind sie an der Abschwächung der Insulinresistenz beteiligt.

Und was heißt das im Klartext?

Studien an Menschen belegen, dass Zimtpulver und Zimtextrakt, eingenommen von Typ-2-Diabetikern, dazu beitragen können, den Blutzuckerspiegel zu senken. Das gilt vor allem dann, wenn die Stoffwechseleinstellung nicht optimal ist. Die Studien deuten darauf hin, dass eine feste Dosis verabreicht werden muss, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Eine generelle Aussage zur Wirkung von Zimt oder Zimtextrakten kann nicht getroffen werden. Ein bisschen Zimt aus dem Supermarkt reicht übrigens nicht, denn die Beschaffenheit der Extrakte ist zu unterschiedlich. Es gibt keine Vorgaben, die dies regeln könnten. Daher müssen die Wissenschaftler noch einmal ran. Mit extra spezifischen Studien könnte die jeweilige Wirkung und damit der Nutzen für Diabetes-Patienten besser abgeschätzt werden.

Vielleicht würzt Zimt ja in Zukunft nicht nur unsere Speisen, sondern ist auch in der Lage Erkrankungen zu mildern oder sogar zu heilen. Köstliche Vorstellung!

 

 

Quellen:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=1587

Bailey, C. J., Day, C.: Traditional plant medicines as treatments for diabetes. Diabetes Care 12 (1989) 553-564.

Hagenmeyer, M., Hahn, A., Teufer, T., Das Gänseblümchen wird entblättert: Pflanzen und Kräuterextrakte in Nahrungsergänzungsmitteln. StoffR 1/2006, 2-17

Imparl-Radosevich, J. et al., Regulation of PTP-1 and insulin receptor kinase by fractions from cinnamon: implications for cinnamon regulation of insulin signalling. Horm Res 1998;50:177-182.

Jarvill-Taylor, K. J, Anderson, R. A, Graves, D. J., A hydroxychalcone derived from cinnamon functions as a mimetic for insulin in 3T3-L1 adipocytes. J Am Coll Nutr 20 (2001) 327-336.

Qin B, Nagasaki M, Ren M, Bajotto G, Oshida Y, Sato Y: Cinnamon extract (traditional herb) potentiates in vivo insulin-regulated glucose utilization via enhancing insulin signaling in rats. Diabetes Res Clin Pract 2003;62:139-148.

Qin, B. et al., Cinnamon extract prevents the insulin resistance induced by a high-fructose diet. Horm Metab Res 36 (2004) 119-125.


Autorin: Jennifer Ann Steinort
"Die Wissenschaft schafft Wissen" oder so ähnlich. Und wir würzen nochmal mit einer ordentlichen Prise Humor nach.

 

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