10.000 Schritte ist der Heilige Gral. Und wer sie nicht erreicht, lebt ungesund und ist nicht genügend motiviert. Was aber ist, wenn das alles nur ein Marketing-Gag ist?

Frustriert starre ich mal wieder auf meinen Fitnesstracker. Bis zum Ende des Tages soll ich 10.000 Schritte erreichen. Gar nicht so einfach, wenn man den größten Teil des Tages im Büro sitzt. Und überhaupt, wer hat eigentlich die Behauptung aufgestellt, es müssen genau 10.000 Schritte am Tag sein? Also machte ich mich auf die Suche nach Studien, die das belegen können.

Studien? Fehlanzeige!

Ich wühlte mich also quer durchs Internet und alle bekannten Datenbanken. Alle Studien bekräftigten die Aussage, dass genügend Bewegung wichtig ist, um die Gesundheit zu erhalten. Aber niemand traute sich offensichtlich, die lobgepriesene Zahl 10.000 zu unterstützen. Aber woher kommt dann die Angabe, mit der jeder Fitnesstracker ganz selbstverständlich gefüttert wird?

Nichts als ein schlechter Verkaufswitz!

Wir schreiben das Jahr 1964. Wir befinden uns in Tokio. Die Olympischen Spiele stehen an und ganz Japan ist im Sportwahn. Alle sehnen sich nach einem Schrittzähler, die es auch schon damals gab. Das Unternehmen Yamasa Tokei stellte diese Dinger, natürlich nicht digital, schon früher her. Man-po-kei nannte die Firma ihre Version. Und jetzt ratet mal, was das übersetzt heißt? Nachtigall, ick hör dir trapsen! „Der 10.000-Schritt-Zähler“ ist die ungefähre Übersetzung. Und schon wurde der Mythos geboren, der so viele am Sessel klebende Arbeitnehmer frustriert.

Und warum halten sich alle daran?

Ganz einfach, die Zahl 10.000 klingt einfach großartig. „Ich bin heute 10.000 Schritte gelaufen!“ Ja, das hat schon was. Und schließlich kann man nicht verleugnen, dass Bewegung einen wesentlichen Beitrag dazu leistet, Krankheiten vorzubeugen. Aber vergessen wird, jede Bewegung ist körperlich förderlich. Anwender sollten sich also nicht auf die 10.000 Schritte versteifen und lieber individueller denken. Schließlich kann das kleine Armband nicht wissen, wie fit der Träger ist.

Anfänger sollen es langsam angehen lassen

Nicht für jeden Menschen sind automatisch 10.000 Schritte ideal. Die am Tag zurückgelegte Strecke sollte auf die körperliche Konstitution angepasst werden. Anfänger sollten deshalb langsam mit 4000-5000 Schritten am Tag starten. 10.000 Schritte sind umgerechnet etwa 5 km. Für Anfänger kann das schnell zu viel werden. Aktuelle Empfehlungen sprechen sich für zweieinhalb bis fünf Stunden moderater körperlicher Aktivität pro Woche aus, erklärt Dr. Stephen Parnis von der Australian Medical Association  1. Umgerechnet sind das 30-60 Minuten Aktivität pro Werktag. Klingt nicht viel, aber wenn es draußen regnet und ungemütlich ist, bleiben die Schritte schnell auf der Strecke. Mein Tipp: Einfach ein bisschen im Haus spazieren gehen. Klingt doof, ist aber genauso effektiv. Übrigens moderate Bewegung bedeutet nicht umherschleichen. Ein straffer Gang trainiert unsere physische Leistungsfähigkeit viel mehr.

Den Fitnesstracker einfach abschalten?

Nein, denn für die Motivation ist ein Schrittzähler hilfreich. Ich habe meinen Fitnesstracker einfach ohne schlechtes Gewissen auf 8.000 Schritte am Tag angepasst. Diese Zahl passt zu meinem Alltag und gibt mir trotzdem ein gutes Gefühl, mich ausreichend bewegt zu haben.

Denn am Ende sollte körperliche Aktivität gut tun und nicht demotivieren!

 

 


Autorin: Jennifer Ann Steinort
"Die Wissenschaft schafft Wissen" oder so ähnlich. Und wir würzen nochmal mit einer ordentlichen Prise Humor nach.

 

Fußnoten

  1. https://ama.com.au/media/ama-urges-men-get-stand-and-get-moving-improve-their-health

Comments

  1. Megawitzig den Hintergrund endlich mal zu kennen. Es ist ja wirklich so, dass 10.000 Schritte als Muss gelten, so auch in unserem kleinen Fitness-Abnehmründchen. Unser Ziel sind immer 10.000, weil das soll ja so gut sein. Und ja, die Zahl sieht einfach unglaublich gut aus, aber es ist auch sehr beruhigend zu wissen, dass man sich nicht mehr superfaul vorkommen muss, wenn man mal unter der magischen Grenze liegt 😀 Danke für den Beitrag und die Historie dazu.

    1. Vielen Dank für deinen Kommentar. Ja, ein weit verbreiteter Irrglaube! Jetzt können wir doch ab und zu die #Couchpotato mimen und das ohne schlechtes Gewissen!

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