2017 ging es durch alle Medien: Bestimmte Deodorants sollen das Risiko für Brustkrebs erhöhen. Vor allem Frauen sind dadurch stark verunsichert. Aber das Leben ohne Aluminiumsalze ist gar nicht so einfach.

Sind Aluminiumssalze wirklich so gefährlich?

Schon lange bevor diese These in den Medien eine Welle schlug, wurde eine Studie durchgeführt. Im Jahr 2003 stellte McGrath
fest, dass die Verwendung von Deodorant in Verbindung mit einer Unterarmrasur bei Brustkrebs eine Rolle spielt. 1 Nach Überprüfung vorhandener Literatur lag der Verdacht nahe, dass die Absorption von den enthaltenen Aluminiumsalzen durch eine Unterbrechung der Hautbarriere erleichtert wird. Eine weitere Studie aus dem Jahr 2013 stützte die Vermutung, dass Aluminiumsalze Brustkrebs fördern können. Demnach wurde in Untersuchungen Aluminium in den Bruststrukturen von Menschen nachgewiesen. Die experimentellen Beweise zeigen, dass bei dieser Gewebekonzentration Aluminium das Potenzial hat, Epithelzellen und die Mikroumgebung der Brust negativ zu beeinflussen. Als Folge könnten Veränderungen auftreten, die mit Karzinogenese, Progression und Metastasierung einhergehen können. 2

 

Quelle: Philippa D.Darbre et.al.

Auch an der Universität Innsbruck untersuchten Forscher den möglichen Zusammenhang zwischen Alu-Deo und Brustkrebs. Dafür wurden 209 Patientinnen mit Brustkrebs befragt. Demgegenüber stand eine gleich große Kontrollgruppe. Diese bestand aus Frauen in derselben Altersgruppe, aber ohne Krebserkrankung. Im Rahmen der Studie wurden auch Gewebeproben aus der Brust auf ihre Aluminiumkonzentration untersucht. Laut der statistischen Auswertung der Daten haben Frauen ein erhöhtes Brustkrebsrisiko, wenn sie Alu-Deos sehr häufig benutzen. Sehr häufig bedeutet in diesem Fall mehrmals täglich.

„Wir können keine Entwarnung geben, was die Verwendung von Deodorants mit Aluminiumsalzen angeht“

Das erklärt Hanno Ulmer, Direktor der Sektion für Medizinische Statistik und Informatik der Medizinischen Universität Innsbruck. 3

Tabuthema Schweiß

Natürlich redet niemand gerne darüber. Kein Wunder, denn Schweiß ist nicht das beste Gesprächsthema. Da wir aber wissenschaftlich an das Thema herangehen wollen, machen wir das trotzdem. Wir alle schwitzen und das nicht zu knapp. Selbst wenn wir gar nichts tun, verlieren wir mindestens einen halben Liter Schweiß pro Tag. Bei körperlicher Anstrengung produzieren unsere 4 Millionen Schweißdrüsen bis zu 6 Liter pro Tag. 4 Unser Schweiß besteht zu 99 % aus Wasser. Der Rest setzt sich zusammen aus Salzen, Fetten, Milchsäure, Ammoniak und Harnstoff. Die Bakterien auf unserer Haut fallen über die Stoffe her und setzen dabei Buttersäure frei. Diese führt dann zu dem Mief unter den Armen. Übrigens: Frischer Schweiß ist geruchsneutral, erst mit der Zeit setzt er üblen Geruch frei.

Also, Schweißdrüsen auf Anschlag?

Gewissermaßen. Nicole Concin ist Professorin für Experimentelle Frauenheilkunde an der Innsbrucker Univ.-Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe und Co-Initiatorin der Studie. Sie sagt:

„Weitere Untersuchungen sind unbedingt erforderlich. Unserer Ergebnisse basieren auf reinen statistischen Korrelationsanalysen und es wurde kein ursächlicher Zusammenhang untersucht“ 5

Es kann also weder bewiesen noch widerrufen werden, dass Deos mit Aluminiumsalzen, das Brustkrebsrisiko -bei einer normalen Nutzung- erhöhen. Bis dahin muss jeder selbst entscheiden, ob er sich mit Alternativen abfinden kann und seine Körperhygiene entsprechend anpasst. Übrigens empfiehlt auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Alu-Deos nicht auf gereizter oder verletzter Haut zu verwenden, um die Aufnahme von Aluminiumsalzen zu reduzieren. 6

Aber Aluminium kann nicht so einfach aus dem Weg gegangen werden. Auch in Lebensmitteln und Trinkwasser ist es enthalten.
 

 


Autorin: Jennifer Ann Steinort
"Die Wissenschaft schafft Wissen" oder so ähnlich. Und wir würzen nochmal mit einer ordentlichen Prise Humor nach.

 

Fußnoten

  1. https://journals.lww.com/eurjcancerprev/Abstract/2003/12000/An_earlier_age_of_breast_cancer_diagnosis_related.6.aspx
  2. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0162013413001608
  3. https://www.i-med.ac.at/mypoint/news/709769.html
  4. http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/sendung/2009/welt-in-zahlen-schwitzen-100.html
  5. https://www.i-med.ac.at/mypoint/news/709769.htmll
  6. http://www.bfr.bund.de/cm/343/aluminiumhaltige-antitranspirantien-tragen-zur-aufnahme-von-aluminium-bei.pdf

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