Mikroplastik in Kosmetika ist in Schweden nun verboten. Doch was hat es mit den kleinen Kügelchen auf sich und warum sind sie gefährlich für Umwelt & Mensch?

Was ist Mikroplastik?

Nach wissenschaftlicher Definition beinhaltet Mikroplastik alle synthetischen Polymere, die kleiner als 5 Millimeter sind. Vor allem in Kosmetik ist Mikroplastik enthalten. Relativ einfach erkennt man es als blaue Kügelchen im Peeling oder Duschgel. Aber auch in dekorativer Kosmetik wie Lippenstiften und Puder ist es enthalten. Die Codecheck- Studie aus dem Jahr 2016 fand heraus, dass rund 8 % aller untersuchten Make-up Produkte das Mikroplastik Polyethylen enthielten. Die untersuchte Augenkosmetik kam dabei auch nicht besser weg. 12 % enthielten Polyethylen. Aber Mikroplastik steckt auch in Produkten, von denen wir es gar nicht erwarten würden. So konnte in etwa 12 % der untersuchten Gesichtscremes Acrylates/ C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer nachgewiesen werden. Unter der Dusche reiben wir uns förmlich mit Mikroplastik ein, denn mehr als 25 % der untersuchten Duschgele enthielten Polyquaternium. Übrigens: Eine Tube Peelinggel kann bis zu 2,8 Millionen Kunststoffteilchen enthalten.

Warum wird Mikroplastik eingesetzt?

Die synthetischen Polymere erfüllen viele unterschiedliche Zwecke. Zum Beispiel unterstützen sie die Reinigung und bilden beim Auftragen einen zusammenhängenden Film auf der Haut, dem Haar oder den Fingernägeln. Auch die Viskosität wird durch Mikroplastik verringert oder erhöht. Nylon-12 ist dafür bekannt, die Schüttdichte und/oder die Transparenz und Lichtdurchlässigkeit von Kosmetikprodukten zu erhöhen. Acrylates Copolymer verringert die statische Elektrizität bei der Anwendung. Dafür neutralisiert es die elektrische Aufladung an der Oberfläche. Gleiches kann übrigens auch Polyquaternium.

Und was ist so schädlich daran?

Mikroplastik verschmutzt unsere Meere. Wem das als Argument nicht reicht: Mikroplastik findet irgendwann den Weg zurück zu seinem Verursacher. Du isst gerne Fisch? Darüber gelangt Mikroplastik wieder zurück in deinen Körper, denn Meeresbewohner können die kleinen Kügelchen mit Nahrung verwechseln. Untersuchungen zeigten, dass es bei Fischlarven zu physiologischen Störungen, Geschwüren bis hin zu erhöhten Sterberaten kommt. Inwiefern die Bestandteile aus der Nahrungskette gefährlich für den Menschen sind, muss noch untersucht werden. Trotzdem halten Experten Mikroplastik für vermeidbar, vor allem in Kosmetik.

Hersteller reagieren mau

In den USA und Kanada wurde Mikroplastik mittlerweile zum Teil verboten. Auch in Schweden darf seit neuestem kein Mikroplastik mehr in Kosmetikprodukten zugesetzt werden. Im Jahr 2014 haben sich Länder wie Deutschland, die Schweiz und Österreich freiwillig dazu verpflichtet, die Stoffe aus ihren Produkten zu verbannen. Die Codecheck- Studie zeigt jedoch, dass auf dieses Versprechen nichts gegeben werden kann. Der Rückgang von Mikroplastik war marginal. In einigen Produkten konnte sogar eine leichte Zunahme verzeichnet werden.

Quelle: Codecheck

Da wir uns offensichtlich nicht auf die Gesetzgebung oder die Hersteller verlassen können, sollten wir beim Einkauf selbst darauf achten, Produkte zu kaufen, die kein Mikroplastik enthalten. Schließlich kann derzeit niemand genau sagen, welche Auswirkungen die kleinen Partikel auf unsere Gesundheit haben. Übrigens II: Alleine die deutsche Kosmetikindustrie sorgt mit dem bekanntesten Mikroplastikstoff Polyethylen für mehr als 500 Tonnen Mikroplastikmüll pro Jahr.

So erkennst du, ob Mikroplastik in deinem Produkt enthalten ist

Mikroplastik hat viele Namen. Hinter folgenden Bezeichnungen verstecken sich die synthetischen Polymere:

• Polyethylen (PE)

• Polypropylen (PP)

• Polyethylenterephthalat (PET)

• Nylon-12

• Nylon-6

• Polyurethan (PUR)

• Acrylates Copolymer (AC)

• Acrylate Crosspolymer (ACS)

• Polymethyl methacrylate (PMMA)

• Polyacrylate (PA)

• Polystyrene (PS)

• Polyquaternium (P)

 

 

Quellen:

  1. United Nations Environment Programme (UNEP)(2015) Plastics in Cosmetics: Are we polluting the environment through our personal care? http://web.unep.org/ourplanet/september-2015/unep-publications/ plastic-cosmetics-are-we-polluting-environment-through-our-personal
  2. http://corporate.codecheck.info/wp-content/uploads/2016/10/Codecheck_Mikroplastikstudie_2016.pdf
  3. https://www.umweltbundesamt.de/themen/mikroplastik-in-kosmetika-was-ist-das

Autorin: Jennifer Ann Steinort
"Die Wissenschaft schafft Wissen" oder so ähnlich. Und wir würzen nochmal mit einer ordentlichen Prise Humor nach.

 

 

 

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