Antibiotika werden zu häufig verschrieben, das ist kein Geheimnis. Aber wie viel wissen Patienten tatsächlich über die Problematik der resistenten Bakterien?

Das Wundermittel gegen Infektionskrankheiten

Alexander Flemming entdeckte im Jahr 1928 Penicillin durch einen reinen Zufall. Von dort an begann der Siegeszug der Antibiotika gegen zahlreiche Infektionskrankheiten. Die entsprechenden Medikamente wurden fester Bestandteil der ambulanten und stationären Therapie. Experten beanstanden noch immer, dass Antibiotika zu häufig verschrieben werden. Nur etwa 5 % aller Erkältungskrankheiten werden durch Bakterien verursacht. Trotzdem werden im Schnitt 60 % von ihnen mit einem verschreibungspflichtigen Antibiotikum behandelt. Große Teile der Bevölkerung wissen nicht, dass ein Zuviel der Präparate zu einer echten Bedrohung für unsere Gesundheit werden kann.

Bakterien sind kleine schlaue Biester!

Es ist schon bewundernswert, welche Anpassungsfähigkeit Bakterien besitzen. So entwickeln sie im Laufe der Zeit ganz unterschiedliche Mechanismen, um Antibiotika in ihrer Wirkung zu schwächen oder gänzlich unbrauchbar zu machen. Damit Ihnen die Präparate nichts mehr anhaben können, bilden sie beispielsweise inaktivierende Proteine. Ein weiterer beliebter Ansatzpunkt ist die Bindungsfähigkeit des Antibiotikums. Diese setzen sie herab, indem sie die zuständigen Zielstrukturen verändern, an denen im Normalfall eine Bindung entstehen würde. Auch eine Veränderung der Permeabilität der Zellmembran kann dazu führen, dass der Wirkstoff nur unzureichend aufgenommen werden kann. Bakterien sind sogar in der Lage spezielle Transportproteine (Efflux-Pumpen) zu entwickeln, die das Antibiotikum aus der Zelle verbannen. Auch in diesem Fall wirkt das Präparat nicht wie gewünscht. Ganz schön einfallsreich, die kleinen Biester!

Patienten sehen die Gefahr nicht kommen!

In der Regel vertrauen Patienten ihrem behandelnden Arzt und werden ganzheitlich von ihm aufgeklärt. Aber ist das wirklich so? Eine Studie ging der Sache auf den Grund. Die zentrale Frage: Was wissen Patienten wirklich über die Antibiotikaresistenz? Die im Family Practice erschienen Studie befragte dazu 1625 Erwachsene aus zufällig ausgewählten Haushalten in U.K. Ganze 88% der Befragten haben Vertrauen zu ihrem Hausarzt und das er erkennt, wann ein Antibiotikum wirklich notwendig ist. Die Patientenbefragung machte deutlich, wofür die Präparate eingesetzt wurden. Laut der befragten Person waren es in 62 % Racheninfektionen. 60 % entfielen auf Sinusinfektionen und nochmal 42% auf Husten. 67% der Umfrageteilnehmer konnten sich an Anwendungshinweise vonseiten des Arztes erinnern. Aber nur 8 % von ihnen gaben an, etwas über die Problematik der Resistenzentwicklung erfahren zu haben.
44% der Befragten war klar, dass Antibiotika gegen Bakterien wirken und eben nicht gegen Viren. 45 % der Studienteilnehmer stimmten mit der Aussage überein, dass auch kerngesunde Menschen von resistenten Bakterien besiedelt werden können.

Da herrscht dringender Aufklärungsbedarf!

In den letzten Jahren haben vor allem gram-positive Infektions¬erreger wie Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) und Glykopeptid-resistente Entero¬kokken (VRE) in Hinblick auf Antibiotikaresistenzen Schlagzeilen gemacht. Heute stehen auch zunehmend gram-negative Infektionserreger im Mittelpunkt, da sie neben anderen Antibiotikagruppen auch gegen alle ß-Laktam¬antibiotika resistent sind. Antibiotika sollten also sparsam eingesetzt werden. Daran tragen Mediziner einen großen Anteil, aber auch Patienten müssen aufgeklärter werden. Laut der Studie herrscht eine große Wissenslücke hinsichtlich der Problematik der Antibiotikaresistenz. Vor allem jüngere Patienten und solche aus niedrigen Schichten waren in der Befragung tendenziell schlechter informiert.


  • Wie kommt es zu Antibiotikaresistenzen?

    – Zu häufige Einnahme von Antibiotika
    – Unterbrechung der Antibiotikatherapie
    – Vermehrter Einsatz von Antibiotika bei der Zucht von Fisch und Fleisch
    – Unzureichende Kontrolle über Infektionen mit Bakterien in medizinischen Einrichtungen

 

Quellen:

  1. https://academic.oup.com/fampra/article/33/4/395/1749241
  2. https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Antibiotikaresistenz/Antibiotikaresistenz.html
  3. http://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/36050573/5_Klaas_Martinus_Pos.pdf?

 


Autorin: Jennifer Ann Steinort
"Die Wissenschaft schafft Wissen" oder so ähnlich. Und wir würzen nochmal mit einer ordentlichen Prise Humor nach.

 

 

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