Lügen gehört zum Leben dazu, zumindest wenn es nach den Deutschen geht. Studien belegen die ominösen Wahrheiten rund um die Unwahrheiten. Dabei gibt es tatsächlich einen geografischen Unterschied.

Wir lügen täglich und das rotzfrech!

Akademische Arbeiten berichten oft darüber, dass wir im Schnitt 200 mal pro Tag lügen. Woher diese Zahl kommt, scheint nicht so ganz klar. Die Psychologin Bella DePaulo von der University of California in Santa Barbara wollte der Sache mit der Lügerei näher auf den Grund gehen. Sie ließ Versuchspersonen ein Tagebuch schreiben. Darin sollten sie Begegnungen mit anderen Menschen und die dabei ausgetauschten Flunkereien aufschreiben. Nach der Analyse stand fest: Die Probanden haben im Schnitt zwei Mal pro Tag gelogen. Auch Robert Feldman von der Universität Massachusetts in Amherst beschäftigte sich mit dem Thema Lügen. Dazu lud er Studenten zu einem Gespräch mit ihnen unbekannten Menschen ein. In dem 10-minütigen Gespräch sollten sie sich entweder als sympathisch oder kompetent darstellen. Das gesamte Gespräch wurde festgehalten und wurde den Probanden im Anschluss vorgespielt. Diese durften dann selbst ihre Lügenquote einschätzen. Ergebnis: 60 % von ihnen gaben ohne Umschweife zu, sich kleinerer und größerer Lügen bedient zu haben. Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2016 legt nochmal nach: 58% der Deutschen lügen täglich!

Warum lügen wir?

Die Gründe für unsere Unwahrheiten sind sehr unterschiedlich. In den meisten Fällen werden sie genutzt, um nicht die unbequeme Wahrheit äußern zu müssen. „Und, steht mir das Kleid?“ fragt uns unsere wohlgenährte Freundin. Kurz nachgedacht entscheiden wir, dass sie glücklich aussieht. So soll es bleiben, also lügen wir. Mächtig fies, sollte man meinen. Aber viele von unseren Lügen geschehen beinahe unbewusst, gleich am Morgen heißt es: „Wie geht es dir?“ Nun, abgesehen von dem dauerhaften Schlafdefizit und der nervtötenden Arbeit so lala. Antworten tun wir aber immer auf diese Frage mit: „Gut und dir?“

Asiaten und Afrikaner lügen anders

Man mag es kaum glauben, aber weltweit unterscheiden sich Lügen doch stark voneinander. Die Studie eines niederländisch-britischen Forscherteams der Lancaster Universität wurde im Fachmagazin „Royal Society Open Science“ veröffentlicht und zeigt ein interessantes Studienmodell. Insgesamt 320 Probanden wurden in die Untersuchung miteinbezogen. Dabei sollten sich immer jeweils zwei Menschen mit gleichem kulturellen Hintergrund gegenseitig belügen. Ein wahres und ein erlogenes Ereignis sollten sie dafür niederschreiben. Zudem sollte ein ernstgemeintes und ein erfundenes Statement zu einem beliebten Thema verfasst werden. Der Anreiz: Die Studienteilnehmer bekamen Geld geboten, sofern ihre Lügen unentdeckt bleiben. Ergebnis: Menschen aus Afrika und Asien sehen sich beim Lügen als Mitglied einer Gruppe, welche sie schützen wollen. Europäer sehen sich aber eher als Individuum und möchten ihre eigene Haut retten. Klingt jetzt erst mal unspannend. Dieses Wissen kann aber laut Forschern durchaus bei der Rechtsprechung und Kriminologie entscheidend sein, um Lügen aufzudecken.

Verstricken sich Wissenschaftler in Lügen?

Natürlich lügen Wissenschaftler nicht automatisch. Sehr wohl gibt es aber Beispiele, die einer Verzerrung gleichkommen und somit gefährliches Halbwissen begünstigen. Besonders interessant ist der Trubel, um die sogenannte „Cholesterin-Lüge“. Haben wir das Cholesterin also all die Jahre zu Unrecht verteufelt? Ist es nicht in dem Maße an Herzkreislaufkrankheiten beteiligt, wie angenommen? Ärzte halten dagegen und stufen die „Cholesterin-Lüge“ wiederum als eine Lüge ein. Sie verweisen auf epidemiologische Studien, die das Cholesterin sehr wohl als Übeltäter entlarven. Auch das Thema Fakestudien ist aktueller denn je. Fakt ist, es war noch nie so einfach im Namen der Wissenschaft zu lügen. Das hat uns nicht zuletzt die Schokodiät gezeigt.

Quellen:

  1. http://rsos.royalsocietypublishing.org/content/4/6/170128
  2. https://www.splendid-research.com/ueber-uns/presse/item/studie-ehrlichkeit-luegen.html
  3. https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/herzkreislauf/fettstoffwechsel-stoerungen/article/938428/tag-des-cholesterins-geballte-dosis-fakten-cholesterin-luege.html

Autorin: Jennifer Ann Steinort
"Die Wissenschaft schafft Wissen" oder so ähnlich. Und wir würzen nochmal mit einer ordentlichen Prise Humor nach.

 

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