Die Packungsbeilage der Antibabypille liest sich wie ein Buch. Patientinnen beklagen sich regelmäßig, dass sie nicht ausreichend über die möglichen Nebenwirkungen informiert wurden. Das wurde jetzt offenbar einer jungen Frau zum Verhängnis.

20-Jährige stirbt nach der Einnahme

Abbey war erst 20 Jahre alt. In dem Alter erwartet man in der Regel keine lebensbedrohlichen Nebenwirkungen bei der Einnahme von oralen Kontrazeptiva. Der jungen Frau wurde die Antibabypille verschrieben. Nach der Einnahme bekam Abbey wie aus dem Nichts Beschwerden. Sie klagte über Schmerzen, Benommenheit und Atemprobleme. Daraufhin suchte sie einen Arzt auf. Der Mediziner verschrieb ihr einen Inhalator und Medikamente. Sie wurde danach wieder nach Hause geschickt. Aber kurz darauf verschlechterte sich der Zustand der jungen Frau aus England. Sie bricht zusammen und landet daraufhin im Krankenhaus. Dort stellte sich heraus, dass Abbey eine Lungenembolie hat, die den Sauerstoffmangel zur Folge hatte. Die 20-Jährige starb kurze Zeit später an einem Herzstillstand.

Antibabypille und genetische Risikofaktoren

Später wurde herausgefunden, dass Abbey an einer seltenen Mutation litt. Das sogenannte Faktor-V-Leiden führt dazu, dass sich das Risiko für eine Thrombose deutlich erhöht. Wenn die Antibabypille den Östrogenspiegel weiter anhebt, erhöht sich gleichzeitig auch das Risiko weiter. Die Faktor-V-Mutation stellt den häufigsten erblichen Risikofaktor für eine Thromboseneigung dar. Die Erkrankung betrifft vor allem Europäer, mit einer Prävalenz von 2-15 %. In der asiatischen Bevölkerung und bei afrikanischen, amerikanischen und australischen Ureinwohnern sucht man diese Mutation vergeblich. Daher vermuten Forscher, dass die Mutation etwa 30.000 Jahre nach der Trennung der mongolischen von der „weißen Rasse“ (so drücken sich die Wissenschaftler wirklich aus) entstanden ist. Abbeys Mutter äußerte gegenüber der britischen „Sun“, dass niemand ihre Tochter über die Gefahren der Pilleneinnahme in Kenntnis gesetzt hätte.

„Sie hat es nicht verdient, so zu sterben“.

Neuer Test soll Mutationen aufdecken

Thromboembolien sind bei der Einnahme der Antibabypille eine seltene Nebenwirkung. Trotzdem hätte womöglich das frühzeitige Wissen über die Erkrankung das Schicksal von Abbey abändern können. Wissenschaftler haben nun einen neuen Test entwickelt, der den potentiellen Nutzerinnen der Verhütungspille helfen soll, ihr individuelles Risiko für eine Thrombose zu bestimmen. Die Firma humatrix AG aus Pfungstadt hat den Test mit dem Namen: „Therapiesicherheit Kontrazeptiva“ nun im Programm. Dabei handelt es sich um einen DNA-Test, mit dem ein Faktor-V-Leiden aufgedeckt werden kann. Der neue DNA-Test wird in Deutschland über alle Apotheken vertrieben. Der empfohlene Verkaufspreis liegt bei 80,44 Euro. Einmal durchgeführt wissen Frauen, ob sie an der Mutation leiden. Das Ergebnis liegt innerhalb von wenigen Tagen vor. Zuvor muss der Arzt eine Blutprobe entnehmen und zur Laboranalyse einschicken.

Wer gerne IGeLT…

Experten sind von dem Test allerdings noch nicht überzeugt. Schließlich gebe es bereits Labortests, mit denen nachgewiesen werden kann, ob die Antibabypille für die jeweilige Frau geeignet ist oder nicht. Diese Labortests sind Kassensache und kosten die Patientin deshalb nichts. Bei dem neuen DNA-Test müssen Frauen in beide Hosentaschen greifen, denn zu dem Apothekenpreis kommt auch noch eine privatärztliche Rechnung hinzu. Mediziner betonen deshalb, dass eine grundlegende Anamnese vor Verschreibung der Antibabypille, das wichtigste Instrument sei, um etwaige Nebenwirkungen abschätzen zu können.


  • Weitere Thrombose-Risikofaktoren:

    – Rauchen
    – Übergewicht
    – Bewegungsmangel
    – Schwangerschaft/Wochenbett
    – Zentraler Venenkatheter
    – Malignome und myeloproliferative Erkrankungen, Herzinsuffizienz, Infektionen,    nephrotisches Syndrom

Quellen:

  1. https://www.aerzteblatt.de/archiv/13154/APC-Resistenz-(Faktor-V-Mutation)-Klinische-Bedeutung-Pathophysiologie-und-Diagnostik
  2. http://h1707126.stratoserver.net/kup/pdf/10471.pdf
  3. https://deutsch.medscape.com/artikel/4901394

Autorin: Jennifer Ann Steinort
"Die Wissenschaft schafft Wissen" oder so ähnlich. Und wir würzen nochmal mit einer ordentlichen Prise Humor nach.

 

Comments

  1. Die Pille wird immer viel zu lapidar verschrieben und war ja mal glatt als Schönheitspille angepriesen worden inklusiver hübscher Werbung dazu. Unglaublich, einen so wahnsinnigen Eingriff in den Hormonhaushalt vorzunehmen ohne über Risiken ordentlich aufzuklären- bei mir hat das nie ausführlich statt gefunden. Der alte Titel zu diesem Beitrag gefiel mir gut. Reißerisch, aber in dem Fall absolut zutreffend. Wieviele Todesfälle der Pille geschuldet sind, möchte ich gar nicht wissen. Nach 5 Jahren Pille und diversen Problemen bis hin zu Panikattacken bin ich froh seit 2009 hormonfrei und selbstbestimmt durchs Leben zu gehen. Jeder muss es natürlich für sich entscheiden, aber es als harmloses Medikament anzupreisen ohne jegliche Untersuchungen im Vorfeld halte ich für falsch und da müsste sich grundlegend was ändern.

    1. Interessant zu hören, dass auch bei dir keine ausführliche Aufklärung stattgefunden hat, Mareike. Das unterstützt unsere Rechercheergebnisse!

  2. Ich wollte eigentlich gar keine Pille mehr nehmen und ging 2008 zu meinem Gynäkologen um mich über NICHT hormonelle Methoden zu informieren. Dieser riet mir allerdings von allem ab und legte mir stattdessen 2 Probepackungen der Yasminelle und von dem Nuvaring vor. Schön verpackt und angeblich gaaanz niedrig dosiert seien diese neuen Verhütungsmethoden. Das alte Zeug würde man ja nicht mehr nehmen.
    Dann plötzlich Atemnot und starke Schmerzen in der Brust. In der Uniklinik schickte man mich aber wieder mit Schmerzmitteln nach Hause. In den darauffolgenden 4 Tagen blieb mir teilweise fast die Luft zum Atmen weg.. wieder ins Klinikum. Wieder die Aussage, sie haben bestimmt nichts. Sind jung, rauchen nicht.. Nur durch Drängen meines Vater per Telefon, selbst Arzt wurde dann ein CT gemacht. Beiderseitige Lungenembolie mit Herzrhythmusstörungen. Später kam außerdem heraus, dass auch ich die Faktor V Leiden Mutation heterozygot habe.
    Der Weg zurück ins alltägliche Leben war hart und hat 1,5 Jahre gedauert.

    1. Hallo Susan, dein Schicksal beweist einmal mehr, dass in vielen Praxen die Pille scheinbar viel zu leichtfertig verschrieben und bei Nebenwirkungen nicht entsprechend gründlich geforscht wird. Faktor V Leiden sind nun einmal keine Frage des Alters. Vielen Dank für deinen wertvollen Kommentar und schön, dass du den Weg zurück in ein „gesundes“ Leben gefunden hast!

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